Katholische Pfarreien der Seelsorgeeinheit Wehr (Baden)
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2006 Jubiläum Pfarrer Erhart

Ein seltenes Geschenk: 70 Jahre priesterlicher Dienst

Zeitungsbericht über die Feier des Jubiläums 

Festgottesdienst anläßlich des 70 jahrigen Priesterjubiläums des aus Wehr stammenden Pfarrers Kurt Erhart Mit einem Hochamt feierte die St. Martinsgemeinde das 70. Priesterjubiläum des aus Wehr stammenden Pfarrers Kurt Erhart. Dieses seltene "Gnadenjubiläum" sei ein "Ansporn für jüngere Priester und für die ganze Gemeinde, den Glauben zu leben", würdigte Stadtpfarrer Matthias Kirner in seiner Begrüßungsansprache.

Pfarrer Erhart zusammen mit Pfarrer Frieder Trefzger aus Wehr, der im Jahr 2005 sein 50. Weihejubiläum feierteZelebriert wurde der Festgottesdienst von dem Jubilar selbst und dem ebenfalls aus Wehr kommenden Pfarrer Friedrich Trefzger, der im vergangenen Jahr sein 50. Priesterjubiläum gefeiert hatte, sowie von den Pfarrern Erwin Böhmisch aus dem bayerischen Osterhofen, Pfarrer Josef Zimmermann und Diakon Bernhard Gerstle. Die Festpredigt hielt der Freiburger Pastoraltheologe Hubert Windisch.

Professor Windisch während der FestpredigtKurt Erhart wurde 1936 im Freiburger Münster geweiht - in einer Zeit, in der der Weg zum Priestertum keine einfache, aber eine um so notwendigere Entscheidung gewesen sei, da sie "ein Zeichen des Widerstandes gegen die Mächte des Unheils darstellte", meinte Hubert Windisch. "Wenn man auf einer Zeitschiene 30 Priester mit jeweils 70 Dienstjahren aneinander reiht, dann landet man mitten in der Zeit Christi." Mit diesem Bild verdeutlichte Hubert Windisch, daß das Amt des Priesters auf Jesus Christus verweist: "Die Kirche lebt nicht nur aus sich selbst heraus, sondern ist eine Stiftung des Herrn." Diese theologische Wahrheit in Erinnerung zu rufen, sei um so wichtiger, weil sie heutzutage selbst bei Christen manchmal aus dem Blickfeld gerate. So würde das Priesteramt oft fälschlicherweise als Amt interpretiert, das jeder ausüben könne, fuhr der Prediger fort. Kurt Erhart, der stets einen offenen Blick für die Entwicklungen der Zeit gehabt habe, sei durch sein langes Priesterleben ein "Wegweiser", dem die Christen folgen sollten, um zur Wurzel des Glaubens, nämlich Jesus Christus, zu gelangen. Ein Theologe bezeichnete die Christen einst als die "Freigelassenen der Schöpfung". "Diese gelöste Freiheit wächst uns nur zu, wenn wir Christus ernst nehmen", so Hubert Windisch.

Pfarrer Erhart zusammen mit Bürgermeister Michael ThaterBeim anschließenden Empfang im Gemeindesaal dankte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Mayer Pfarrer Erhart dafür, "daß Sie als gebürtiger Wehrer uns an Ihrem Jubiläum teilhaben lassen." Bürgermeister Michael Thater drückte seine Freude und Dankbarkeit darüber aus, daß Menschen, die aus Wehr kämen, immer wieder in die Stadt zurückkehrten: "Es ist wichtig, daß der Mensch weiß, wo er seine Wurzeln hat." Zahlreiche Besucher aus Kurt Erharts weit verzweigter Verwandtschaft waren zum Empfang gekommen. "Ich habe das Gefühl, daß ich heute noch in der St. Martinsgemeinde daheim bin", bedankte sich der Jubilar, der mittlerweile in Offenburg lebt. In seine Dankesworte schloß er Theresia Kunzmann ein, die ihm seit 35 Jahren den Haushalt führt, sowie den Kirchenchor, die Zelebranten und die "vielen stillen Beter in Wehr". Trotz seiner 94 Jahre nimmt Kurt Erhart noch immer Aufgaben in den Offenburger Pfarreien wahr. "Im Alter wird das Auge des Körpers trüber, das Auge des Geistes dafür klarer", meinte er und erinnerte an den, dem er sein Priesterleben gewidmet hat: "Alles, was wir empfangen und getan haben, ist ein Geschenk und eine Gnade".

Aus dem Leben von Pfarrer Erhart 

70 Jahre Priester - nur wenig Geistliche erreichen dieses Dienstjubiläum. Der aus Wehr stammende Pfarrer Kurt Erhart feiert am Sonntag sein 70-jähriges Priesterjubiläum.

Kurt Erhart wurde am 18. November 1911 in Wehr geboren. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Münster wurde er 1936 von Erzbischof Konrad Gröber zum Priester geweiht. Nach kurzer Vikarszeit in Wolfach wurde er als Präfekt an die Heimschule Lender berufen, danach ging er als Vikar an die Münsterpfarrei Konstanz. Im Zweiten Weltkrieg mußte Kurt Erhart als Sanitätssoldat an die Ostfront. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wurde er Vikar in Weil am Rhein und Lörrach- Stetten, dann Rektor des Caritasheimes Feldberg, und anschließend übernahm er die Pfarreien in Kollnau und Schliengen. Dort ließ er die Kriegsschäden an Kirche und Pfarrhaus beseitigen und einen Kindergarten sowie ein Schwesternheim errichten. Für seine Verdienste erhielt er die Goldene Ehrennadel der Gemeinde.

In seine Zeit als Stadtpfarrer von Herbolzheim (1960 bis 1970) fiel das Zweite Vatikanische Konzil. "Darauf haben wir alle gewartet, und ich bin froh, daß die Gemeinde die Reformen so gut angenommen hat", berichtete Kurt Erhart. Auch nach seiner "Pensionierung" im Jahre 1979 übernahm er Aufgaben in Pfarreien. Seit zwei Jahren wohnen er und seine Haushälterin Theresia Kunzmann im Offenburger Aenne - Burda - Stift.

In den 70 Jahren seines priesterlichen Dienstes hat Kurt Erhart radikale Umbrüche erlebt: Als er zusammen mit 59 weiteren Kandidaten zum Priester geweiht wurde, war die Teilnahme der Menschen am kirchlichen Leben, gestützt durch Gewohnheit und Tradition, noch eine Selbstverständlichkeit. Heute werden in der Erzdiözese Freiburg weniger als zehn Neupriester pro Jahr geweiht, und nur noch 15 Prozent der Katholiken besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Dennoch sieht Kurt Erhart im Wandel der Zeit keinen Grund zum Pessimismus, sondern begreift ihn als Chance: "Das Zweite Vatikanische Konzil hat viele Türen geöffnet, die vorher verschlossen waren". Die Verkündigung des Evangeliums erfolge nicht mehr nur durch einen von der kirchlichen Autorität bestellten Einzelnen, sondern durch die Tätigkeit und das Vorbild vieler Menschen, die als Laien heute viel größere Mitwirkungsrechte hätten. Da sich der 94-jährige Jubilar guter Gesundheit erfreut, arbeitet in den Offenburger Pfarreien mit.

Wir danken Herrn Michael Gottstein für seinen Bericht und die Bilder von der Feier des Jubiläums. Dank gilt der Badischen Zeitung für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Berichtes.


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