Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden)
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Zustand der alten Orgel

Das Konzept der elektropneumatischen Orgel - Versuch einer Innovation

Wie in der Einleitung beschrieben stammt unsere derzeitige Hauptorgel (gebaut von der Firma Willy Dold in Freiburg)aus dem Jahr 1936. Für eine Orgel kein hohes Alter - denkt man beispielsweise an die wunderbaren Instrumente eines Gottfried Silbermann die seit dem 18. Jahrhundert die Zeiten überdauern.

Die elektropneumatische Steuerung 

Magnetventile mit Leitungen für die Steuerluft Pneumatikventil mit dünner Leitung für Steuerluft und dicker Leitung für OrgelwindEntgegen klassischer Orgelbaukonzepte, die eine vollmechanische Registrierung und ein vollmechanisches Ansteuern der einzelnen Pfeifen verwenden wurde bei der in Wehr eingebauten Orgel ein elektropneumatisches Konzept verwendet:

Von Elektromagneten angesteuerte Ventile steuern die Luft der pneumatischen Steuerung. Die Steuerluft wird über dünne Rohre zu den pneumatischen Ventilen geleitet über die dann die eigentliche Spielluft - der Orgelwind - in die Orgelpfeifen geleitet wird.

Gedeckte Principal c und Principal c# mit elektropneumatischer SteuerungAbgesehen von Problemen durch Verzögerungen beim Anschlag - die Pfeifen reagieren teilweise mit leichter Verzögerung auf den Tastendruck am Spieltisch, ist diese Technik sensibel und nicht im Ansatz so langlebig wie eine mechanische Steuerung. Aufgrund von Defekten bei dieser Ansteuerung sind derzeit etwa ein Viertel der Register der Orgel ganz stillgelegt und ein weiteres Viertel funktioniert nur teilweise. Fehlende Töne in Registern versuchen die Organisten durch geschickte Registrierung zu übertönen.

Schon in den ersten Jahren nach dem Einbau zeigten sich die Schwächen der Steuerung. Schon in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren während des Spiels hängen gebliebene Ventile nichts Unbekanntes. Schon Anfang der Sechziger Jahre wurde eine erste große Renovation des Instruments fällig.

von Pneumatik auf Elektrik umgestellte Registersteuerung.Im Jahre 1906 wurden erhebliche Umbauten an der Orgel vorgenommen (Firma Gebr. Späth, Ennetach - Mengen), da bereits zu dieser Zeit, d. h. weniger als 25 Jahre nach dem Bau der Orgel schon massive Schwierigkeiten mit der Steuerung auftraten. Die Registrierung wurde teilweise auf eine rein elektrische Steuerung umgebaut. Auf dem Bild rechts sind am rechten Bildrand die Dicken Leitungen für den Orgelwind deutlich erkennbar. Auf der Holzleiste im unteren Bereich sieht man die Öffnungen für den Einbau der ehemaligen Leitungen für die Steuerluft der Pneumatik.

Die Gesamtsituation hätte einen kompletten Umbau der Orgelsteuerung notwendig gemacht, deren Lebensdauer nach Aussage der Orgelbauer wiederum nur auf einige Jahrzehnte betragen hätte. Erfahrungen mit anderen Orgeln dieses Bautyps lassen keinen anderen Schluß zu.

Der elektrische Spieltisch 

Rückholung eines Pedals mit WeckgummiEin weiteres sehr anfälliger Teil unserer alten Orgel ist deren Spieltisch. Auch hier ist eine Vielzahl von alten elektrischen Bauteilen im Einsatz deren Funktion nicht mehr gewährleistet ist. Offensichtliches Zeichen dafür ist die teilweise über Einweckgummis gewährleistete Rückholung von Tasten und Pedalen. Gravierender als dieses vielleicht charmante Detail ist auch hier der Zustand der elektromechanischen Bauteile, die nicht mehr zu beschaffen sind.

Manualkopplung im Spieltisch mit Überbrückungsdraht und Rückholgummi für Taste Der geöffnete Spieltisch von hinten Walzensteuerung  über verschiebbare Stäbe, die Kontakte für Crescendo aktivieren
Elektromechanischer Abgriff an den Tasten im Spieltisch Nachträglich eingebaute Anbindung für einen zweiten Spieltisch - durch Chororgel überflüssig geworden Detail des Spieltischs

Das Pfeifenmaterial 

Reihenanordnung der Pfeifen im Prospekt. In der Mitte Statue der Hl. CäciliaAufgrund der knappen Mittel wurden bei großen Pfeifen keine Zinnpfeifen eingesetzt sonder man griff auf das weniger geeignete Material Zink zurück. Darüber hinaus wurden einige Pfeifen optisch verlängert um eine im Jugendstil üblichen Reihenanordnung der Pfeifen zu erhalten.

 

Optisch verlängerte Prospektpfeifen von hinten (Verlängerung ca. 1. Drittel)Dies erreichte man durch rückwärtige Öffnungen in den Pfeifen, die die Höhe der schwingenden Luftsäulen auf das klanglich notwendige Maß verkürzten. Der Prospekt fügt sich damit auch nicht harmonisch in den Kirchenraum ein.

 

Drangvolle Enge in der Orgel

 

Die Pfeifen sind teilweise in drangvoller Enge angebracht, sodaß ein Stimmen der Pfeifen durch die schlechte Zugänglichkeit kaum möglich ist.

 

 

Fazit 

Im Laufe der letzten Jahre zeigte sich deutlich, daß trotz ihrer ausgezeichneten Klangqualität die Chororgel der Martinskirche den großen Kirchenraum nicht zu füllen vermag. Erfahrungen mit unserer alten Hauptorgel vergleichbaren Orgeln haben gezeigt, daß eine Reparatur mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist - darüber hinaus wäre derartiges Stückwerk auch nicht von Dauer.

Trotz all dieser Probleme und Einschränkungen sind wir dankbar für die 70 Jahre, während derer die alte Dold Orgel unsere Gottesdienste begleitet hat. Erfreulicherweise konnte auch eine Zukunft der alten Orgel im Orgelmuseum Schloß Valley gefunden werden.

Der Orgelneubau in unserer Stadtpfarrkirche St. Martin erfüllt uns mit großer Freude und Dankbarkeit.


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