Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden)
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Kanzel

Nach über 25 jährigem Exil wieder an ihrem angestammten Platz unter dem Baselstab - die klassizistische Kanzel von Johann Friedrich Vollmar

Klassizistische Kanzel von Vollmar in der Pfarrkirche St. Martin Wehr nach der Restaurierung. Auf dem Korpus die Medaillons mit den Evangelistensymbolen, unter dem Schalldeckel Taube als Symbol des Hl. Geistes und auf dem Schalldeckel Putto mit den Gesetzestafeln Dank einer großen, zweckgebundenen Spende aus Anlaß des großen Pfarrjubiläums 750 Jahre Pfarrei 100 Jahre Neukonsekration der Martinskirche (mehr unter Jubiläum 750 - 100) war es möglich, die klassizistische Kanzel von Johann Friedrich Vollmar der Pfarrkirche St. Martin Wehr zu restaurieren und wieder an ihrem angestammten Platz zu montieren. So wurde dank dieser Spende der Pfarrei eine sichtbare Erinnerung an das Jubiläum geschenkt und ein Kunstwerk von regionaler Bedeutung konnte vor dem Untergang bewahrt werden. In nicht zu erwartender Weise hat unsere Kirche damit ein neues gestalterisches Gleichgewicht gewonnen - die Kanzel füllt eine Vermittlerrolle zwischen dem klassizistischen Langhaus von 1810 und der neoklassizistischen Erweiterung (Chorraum und Querhaus) von 1910 aus.

Die Kanzel wurde im Anschluß an die ersten Kirchenerweiterung 1801 - 1810 von Johann Friedrich Vollmar (1751 - 1818), von dem die wesentliche architektonische Konzeption der Kirche stammt, geschaffen. Das genaue Datum des Einbaus ist nicht bekannt. Im Rahmen der Erweiterung der Kirche 1910 wurden die neuen neoklassizistischen Seitenaltären im Querhaus farblich der Kanzel angepaßt.

Die Kanzel selbst wurde jedoch bei dieser Erweiterung ebenfalls verändert. So wurden die ursprünglichen Weißfassungen der Apostelreliefs und des Puttenengels auf dem Schalldeckel übervergoldet, auch die polychromen Marmorierungen wurden übermalt.

Im Rahmen der Restaurierungsarbeiten (sh. Restaurierungsbericht und Zur Historie) konnte durch schichtweisen Abtrag jedoch die ursprüngliche Farbgebung von 1810 wieder gewonnen werden. Die Kanzel wurde gereinigt und schadhafte Stellen aufwendig ausgebessert. Die Marmorierungen auf den Holzteilen von 1910 erhielten so wieder ihre alte Leuchtkraft. Bei den Restaurierungsarbeiten konnten die Oberflächen der Relieftafeln, die die Evangelisten symbolisieren im Originalzustand von 1810 erhalten werden. Diese Relieftafeln passen nun wieder genau zu den Stukkaturen beispielsweise an der Empore.

Diese Relieftafeln sind jeweils aus einer Holztafel von einem Bildhauer geschnitzte, halbplastische Reliefs, die mit einer Weißfassung und Blattvergoldung überzogen wurden (mehr unter Restaurierungsbericht und Zur Historie).

Langhaus der Pfarrkirche St. Martin Wehr mit wiedereingebauter Kanzel von Johann Friedrich VollmarStadtpfarrer Matthias Kirner beschrieb die Kanzel als "katechetisches Möbel". In seltener Dichte sind auf diesem Ort der Glaubensverkündigung die Grundlagen der Offenbarung dargestellt: Auf dem Kanzelkorpus die Symbole der 4 Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes über denen unter dem Schalldeckel der durch eine Taube symbolisierte Heilige Geist schwebt. Den Abschluß bildet ein Puttenengel auf dem Schalldeckel, der die mosaischen Gesetzestafeln mit den 10 Geboten trägt. Das barocke Korpuskreuz, das bisher am jetzigen Ort der Kanzel hing, wird an seinen angestammten Platz an der gegenüber der Kanzel befindlichen Säule kommen. So wird der Bogen gespannt von den Quellen der Überlieferung zum Kreuzestod des menschgewordenen Gottes Jesus Christus und damit die Fundamente des Glaubens in großer Dichte symbolhaft gelegt.

Zusammen mit allen am Einbau der Kanzel beteiligten Handwerkern möchten wir dem Restaurator Detlef Reimann ganz herzlich für seine außerordentlich gelungene und hochprofessionelle Arbeit danken.

Die figürlichen Darstellungen auf unserer Kanzel 

Evangelisten Markus und Lukas © Bild Detlef Reimann, Restaurator Darstellung der Evangelisten Markus und Lukas: Markus wird dargestellt durch den "Markuslöwen", Lukas durch einen Stierkopf. Diese Evangelistenattribute leiten sich aus dem jeweiligen Beginn der Evangelien ab.
Markus beginnt sein Evangelium mit einem Bericht über Johannes den Täufer, der wie ein Löwe in der Wüste auftritt und zur Umkehr aufruft.
Das Evangelium des Lukas beginnt mit der Kindheitsgeschichte Jesu - der Stier im Stall erinnert an den Stall von Bethlehem und gleichzeitig an den Hinweis auf den vom Volk nicht erkannten Messias beim Propheten Jesaja: Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht. (Jes. 1,3).
 
Evangelisten Matthäus und Johannes © Bild Detlef Reimann, Restaurator Darstellung der Evangelisten Matthäus und Johannes: Das Attribut des Johannes ist der Adler. Dieses Symbol nimmt Bezug auf den hohen Anspruch dieses Evangeliums, dessen Texte von Beginn an von besonderer Tiefe sind oder sich eben wie ein Adler in die Höhe aufschwingen. Matthäus wird durch einen Engel oder einen Menschen symbolisiert. Dies stellt den Bezug zum Stammbaum Jesu her, beginnend mit dem Stammvater Abraham, mit dem Matthäus sein Evangelium beginnt.
Engel mit den Gesetzestafeln © Bild Detlef Reimann, Restaurator Der Putto mit den mosaischen Gesetzestafeln auf dem Schalldeckel verweist auf die Zehn Gebote - bis heute Grundlage unseres Glaubens und Lebens (sh. Basis). Damit ist entsprechend der Evangelistensymbole auf dem Kanzelcorpus auch die Verbindung zum Alten Testament geschaffen.
 
Gemäß der darstellerischen Tradition stehen die ersten 3 Gebote, die sich auf das Verhältnis des Menschen zu Gott beziehen auf der linken Tafel und die 7 folgenden Gebote, die sich auf das Zusammenleben der Menschen beziehen auf der rechten Tafel.
Heiliger Geist durch eine Taube symbolisiert © Bild Detlef Reimann, Restaurator Der Heilige Geist, symbolisiert durch eine Taube stellt die Verbindung zwischen der schriftlichen Offenbarung in Altem und Neuem Testament und dem lebendigen Wirken in der Kirche zu allen Zeiten dar. Das Symbol bezieht sich auf die Taufe Jesu im Jordan. Das Markusevangelium berichtet: In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, daß der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. (Mk. 1,9-11)

Die Rückkehr der Kanzel in die Pfarrkirche St. Martin in Wehr 

Am Morgen des Rücktransports - Die Transportmannschaft bespricht sich - Kilian Bühler, Andreas Waßmer, Martin Schmitz, Norbert Hauf und verdeckt Rolf Trefzger Mesner Wolfgang Senn mit den Kanzelarbeitern Berthold Bühler, Andreas Wasmer und Norbert Hauf mit den Geschwistern Felber, die unsere Kanzel über Jahrzehnte gehütet haben In einer heiklen Operation wird der Kanzelkorpus herabgelassen Aus der Tenne geht es Richtung Hänger Korpus und Schalldeckel der Kanzel werden auf den Hänger verladen. Mit dabei Rolf Schwarz, dem wir die Photos vom Transport verdanken Grobreinigung der Kanzel hinter der Lagerscheune Ankunft auf dem Anhänger der Firma Holzbau Bühler. Stadtpfarrer Kirner nimmt die Kanzel in Empfang Nach getaner Arbeit: Berthold Bühler, Martin Schmitz, Rolf Trefzger und ein sehr erfreuter Stadtpfarrer Matthias Kirner Die den Heiligen Geist darstellende Taube in desolatem Zustand Demontierte Kleinteile der Kanzel Die Kanzel nach der Grobreinigung in ihrem Zwischenlager im Aufgang zur Empore. Deutlich erkennbar sind die komplett vergoldeten Reliefs mit den Symbolen der 4 Evangelisten Medaillon mit dem Symbol des Evangelisten Markus - dem Löwen und dem Symbol des Evangelisten Lukas - dem Stier Der den Evangelisten Johannes darstellende Adler mit dem Engel der den Evangelisten Matthäus symbolisiert Trommel die unter der Kanzel als Abschluß diente, darin die Spitze der Kanzel auf dem Schalldeckel Die Sichtseite des Schalldeckels vor der Restaurierung Der die Kanzel krönende Puttenengel mit den Gesetzestafeln des Mose - deutlich beschädigt und komplette vergoldet Restaurator Detlef Reimann bei der ersten Augescheinnahme Restaurator Detlef Reimann bespricht sich mit Dipl. Ing. Sauer vom Erzbischöflichen Bauamt Restaurator Reimann begutachtet den Putto Berthold Bühler mit einem Lattengerüst um die zukünftige Position der Kanzel sichtbar zu machen. Unter dem Putz deutlich erkennbar die alte Aussparung für den Träger an dem die Kanzel montiert war Der Kanzelkorpus hängt an seinem angestammten Platz Die die Kanzel tragenden Stahlträger werden in den alten Öffnungen einzementiert Die ergänzte Rückwand wird montiert. Elektromeister Jürgen Fricker mißt die Öffnungen für die Elektroinstallation aus. Die Arbeit freut alle Beteiligten erkennbar. Restaurator Reimann nimmt die Unterseite für letzte Arbeiten in Augenschein Ein unerwartetes Fundstück: Im Kanzelboden haben die beteiligten Zimmerleute, die beim Vater von Berthold Bühler beschäftigt waren bei der Verlegung der Kanzel im Jahr 1958 ihre Namen hinterlassen Malermeister Andreas Fricker bei der Reparatur der durch Spitzarbeiten angefallenen Schäden an der Säule

Literatur 

Johann Friedrich Vollmar (1751-1818): ein Henkerssohn wird Künstler : zum 250. Geburtstag des Bildhauers, Stukkateurs, Malers, Architekten, Altar- und Kanzelbauers, von Winfried Aßfalg Johann Friedrich Vollmar (1751-1818):
ein Henkerssohn wird Künstler : zum 250. Geburtstag des Bildhauers, Stukkateurs, Malers, Architekten, Altar- und Kanzelbauers

Winfried Aßfalg
Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2001
ISBN 978-3-89870-019-1


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