Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden)
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Geschichte

Die Glocken der Pfarrkirche St. Martin vor 1950

Die ersten Glocken 

Die Martinsglocke von 1686 In einen Kirchturm gehören auch Glocken. So ist anzunehmen, daß auch der Turm der ersten Kirche vor 1539 schon Glocken gehabt hat. Urkundlich finden wir aber erst in einem Eintrag in den Pfarrbüchern von 1686, daß die Pfarrkirche in jenem Jahre aus der Glockengießerei in Basel drei Glocken erhalten hat. Die Glockengießer waren Jacob Roth und Hans Heinrich Weithnauer. Pfarrer war damals Josef Fridolin Straubhaar, Gemeindevorstand Josef Konrad Ueckelin. Josef Franz Anton von und zu Schönau und Herr von Wehr stiftete die erstgenannte damals größte Glocke, die heute noch als Totenglocke geläutet wird sowie bei besonderen Anlässen. Sie ist dem hl. Martinus geweiht. Ganz seltsam sind ihre Ornamente. Der Bischof zu Pferde mit Mitra und Stab, dem Bettler den Mantel teilend und auf der Kehrseite: Christus am Kreuze mit Maria und Johannes. Am Rande steht die Inschrift: "In aller Trübsal, Angst und Not, komm uns zu Hilfe, allerseligste Jungfrau". - Nach einem Eintrag in den Pfarrbüchern wurden diese drei Glocken durch den Bischof von Basel geweiht.

Die zweiten Glocken 

Dieses Geläute versah den Dienst fast 200 Jahre. Dann aber wurde es zu klein und konnte in der ausgedehnteren Ortschaft nicht mehr überall gehört werden. Aber woher die Mittel zu neuen, größeren Glocken nehmen in der teueren Zeit, schrieb der Chronist. - Im Krieg von 1870/71 wurden viele französischen Kanonen erbeutet. Am 12. April 1873 machte darum die Gemeinde Wehr, Bürgermeister Josef Villinger, und Pfarrer Ernst Ginshofer an den Landesfürsten Großherzog Friedrich I. von Baden eine Eingabe um Überlassung von Kanonenmetall. Daraufhin wurde der Gemeinde eine Kanone, die von der Festung Straßburg stammte, im Gewicht von 20 Zentnern überlassen. Dieses Geschenk reichte aber lange nicht aus für die geplanten drei Glocken. Ein Gesuch an den Deutschen Kaiser Wilhelm I. wurde abschlägig beschieden.

Da brachte eine Haussammlung den gewünschten Erfolg. Dazu kamen noch Stiftungen, und so konnten die Glocken zum Gusse vergeben werden. Am 20. März 1874 schloß die Stiftungskommission unter dem Vorsitzend von Weinhändler Martin Brugger mit Glockengießer Benjamin Muchenberger von Blasiwald, der in Wehr im früheren Bau des alten "Hirschen" an der Öflinger Straße eine Glockengießerei betrieb, den Vertrag auf Lieferung von drei Glocken.

Die große Glocke hatte den Grundton D, mit 2650 Pfund; die zweite Glocke Ton Fis, 1300 Pfund, und die kleinste Glocke D-Oktav mit 370 Pfund. Die beiden vorhandenen Glocken vom Jahre 1686 wurden eingeschmolzen und zum Guß mitverwendet. Die Glocken kosteten 295 1 Gulden und 54 Kreuzer. Alles beteiligte sich an der Aufbringung dieser Mittel. Weinhändler Martin Brugger stiftete dazu 1000 Gulden, Pfarrer Ginshofer 514 Gulden 54 Kreuzer und Bürgermeister Josef Villinger 100 Gulden. Den notwendigen neuen Glockenstuhl, der sich heute noch in Teilen im Turm befindet, fertigte Zimmermeister Josef Büche im Tal. Diese Glocken wurden am 16. August 1874 geweiht. Sie waren reichlich mit Ornamenten geziert.

Die Christusglocke trug als Ornament Christus am Kreuz, mit folgenden Inschriften:

"Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden
Friede den Menschen durch Jesus soll werden.
Drum sei gepriesen und gebenedeit,
Christus der Herr, in Ewigkeit."

Auf der Kehrseite:

"Kanone einstens im Franzosenkriege,
ward ich erobert durch der Deutschen Siege.
Im Feuer verwandelt durch des Meisters Hand,
dien' ich als Glocke, Gott und Vaterland."

Gestiftet von Großherzog Friedrich I. von Baden und von Weinhändler Martin Brugger.

Diese Glocke war nicht so groß und so schwer wie die jetzige große Glocke mit dem gleichen Ton D, schlug aber den Oktavton stärker an als den Grundton. Die Kunst, solche Glocken zu gießen, hat Glockengießer Muchenberger mit ins Grab genommen.

Die Muttergottesglocke, Ton Fis, mit dem Bild der Gottesmutter, trug die Inschriften:

"O Maria steh uns bei, daß uns Gott barmherzig sei."

Auf der Kehrseite:

"Gestiftet von der Reichen und der Armen Spende,
Verkünd' ich künft'gen Zeiten ihre milden Hände."

Hauptstifter sind: Josef Trefzger, Landwirt in Oberwehr, und Fridolin Bühler, Landwirt von Mettlen.

Die kleinste Glocke, Johannes und Markus geweiht, mit dem Ton D-Oktav, hatte die Inschrift:

"Wo Liebe, da Frieden, wo Frieden, da Gott,
wo Gott, gibt's hienieden nicht Elend und Not."

Gestiftet von Gemeinderat Johannes Trefzer. In großen Lettern stand auf jeder Glocke am Schlagring:

"Gegossen von Benjamin Muchenberger zu Wehr 1874
unter Pfarrer Ernst Ginshofer und Bürgermeister Josef Villinger."

Glockengießer Benjamin Muchenberger war am 23.8.1823 in Blasiwald geboren und betrieb dort und später in Wehr eine Glockengießerei. 1876 goß er die letzten Glocken für die Pfarrei Wollbach. Dann wurde er von einer Kreuzotter gebissen und starb am 9.9.1876 in Wehr, am gleichen Tag, als seine letzten gegossenen Glocken in Wollbach geweiht wurden. Die Glockengießerei in der Öflingerstraße ging ein. Die Witwe zog mit ihren drei Kindern nach Riehen bei Basel. Seine Enkel und Urenkel ließen 1952 an der Westseite der Kirche eine Gedenktafel anbringen.

Diese drei Glocken und die Glocke von 1686 versahen ihren Dienst bis zum Jahre 1917. Als das Geläute durch die Firma Hausin von Säckingen vom Turm geholt und für Kriegszwecke abgeliefert werden mußte, gab der große Musiker, Hauptlehrer Friedrich Ruderer folgendes Urteil über diese Glocken ab: "Wehr hatte Glocken, viele Ortschaften haben Schellen." Das war ein treffendes Urteil.

Zum Glück kam die alt-ehrwürdige Glocke von 1686 wieder zurück, da man ihren Altertumswert erkannt hatte. Es konnte somit wieder mit zwei Glocken geläutet werden.

Die dritten Glocken 

Eine 1920 begonnene Sammlung für neue Glocken durch Pfarrer Riffel machte die Inflation wertlos. Mit neuem Mut ging man 1924 wieder daran. Nach durchgeführten Sammlungen konnte der Stiftungsrat am 24.8.1925 mit der Glockengießerei Benjamin Grüninger in Villingen einen Vertrag abschließen. Mitte September wurden dann die Glocken gegossen. Am 1.10.1926 trafen sie in Wehr ein und wurden in feierlichem Zuge zur Kirche geleitet und unter dem Kronleuchter zur Weihe aufgestellt. Am Sonntag, dem 3.10.1926, wurden die Glocken von Dekan Dold, Rheinfelden, geweiht.

Die große Glocke, Grundton Es, 1400 kg, Durchmesser 1,32 m, mit dem Bild des hl. Martinus.

"St. Martin, guter Hirt,
nach dir diese Glocke benennet wird.
Sei du unser Schutzpatron,
und führ' uns hin zu Gottes Thron."

Die Glocke in B, 455 kg, Durchmesser 0,87 m, mit dem Bild des hl. Konrad, Patron der Erzdiözese:

"St. Konrad bin ich genannt,
ruf weit hinaus ins Land.
Kommt gläubig, singt und preist
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist."

Die Aloysius Glocke von 1926 Die Glocke in C, 270 kg, mit Bild des hl. Aloisius mit dem Kreuz:

"Getauft bin ich Aloisius,
der Jugend ich erflehen muß,
daß Gott in seiner Gütigkeit,
ihr Schutz und Hort sei allezeit."

Diese drei und die im Turm verbliebenen zwei Glocken erhielten durch die Firma Höltl & Maurer, Friedrichshafen, 1933 eine elektrische Läuteanlage.

Mitgegossen und geweiht wurden auch die im Kriege abgegebenen Glocken der Wolfgangs- und Ackerrainkapelle.

Kurz nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges, 1940, wurden die Glocken aufgenommen und nach historischem Wert und Alter in Klassen eingeteilt. Am 12.2.1942 holte die Firma Hausin von Säckingen wiederum die Glocken vom Turm. Auch für sie, wie für ihre Vorgänger, hatte die Schicksalsstunde geschlagen. Nach 17 Jahren heiligen Dienstes wurden alle, bis auf die kleinste Glocke, nach Schopfheim abgeliefert. Auch die letzte, von Benjamin Muchenberger 1874 gegossene Glocke, war wie die anderen in Stufe I eingeteilt und wurde sofort verschmolzen, während die altehrwürdige Glocke von 1686 in Stufe 11 eingeteilt wurde und vorläufig in einem Unterseebootbunker in Hamburg untergebracht wurde. Am Ende des Krieges wurde sie wieder aufgefunden, der Pfarrei zurückgegeben und auf den Turm gebracht, wo sie wieder ihren Dienst versehen kann bis zum heutigen Tag.

Text: Pfarrer Hermann Marder in:
Hermann Marder, St. Martinskirche, Wehr / Baden, Libertas Verlag Hubert Baum, Stuttgart, 1961


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