Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden)
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Geschichte

Claudius Winterhalter berichtet:

Die Geschichte des historischen Orgelprospektes von Wehr 

Prospekt der ChororgelEs war im Sommer 1976. Ich wohnte damals in Ludwigsburg, um die Meisterprüfung als Orgelbauer abzulegen, als ich Gelegenheit erhielt, die in Auflösung begriffenen Werkstätten der ehemals weltbekannten Orgelbaudynastie Walcker zu besichtigen.

In einem der Montageräume hatte mittlerweile eine kleine Roßhaarspinnerei ihre Arbeit aufgenommen. Dort entdeckte ich an einer Wand hängend und völlig mit einer dicken Staubschicht bedeckt die Umrisse einer offensichtlich barocken Orgelfassade. Was zuerst wie eine gelungene Attrappe wirkte, stellte sich bei näherer Betrachtung als originale Barockprospektfront mit klassischer fünfgliedriger Teilung im Wechsel von Rundtürmen und Flachfeldern heraus. Das Weichholzgehäuse war reich mit Schnitzornamentik verziert und strukturell vergoldet. Eine Marmorfassung in grau und beige auf altweißem Grund deckte die Profile und Lisenen.

Ausschnitt des OrgelprospektesErstaunlicherweise konnte keinerlei Schädlingsbefall festgestellt werden. Lediglich die Prospektpfeifen waren nicht historisch. Um es als "Wandschmuck" besser zur Geltung zu bringen, hatte man es in der Tiefe auf etwa 40 cm abgesägt und wohl erst einmal zurückgelassen. Spätere Nachforschungen haben ergeben, daß es sich bei diesem Stück um eine Arbeit des Augsburgers Georg Markus Stein handelt, Hoforgelmacher in Durlach, erbaut 1787/89 für eine Gemeinde in Nordbaden. Er hatte bei seinem Vetter Johann Andreas Stein in Augsburg den Orgelbau erlernt. Der wiederum war bei Silbermann in Straßburg gewesen und ein Freund der Familie Mozart ...

Blick in das Brustwerk der OrgelUnseren Partner in Wehr fanden wir in Werner Kiefer als Vertreter der Pfarrgemeinde. Der viel zu früh verstorbene Orgelfreund war ob der Einmaligkeit des angebotenen Gehäuseteiles und der Idee einer Chororgel begeistert. Fotoaufnahmen ließen erahnen, wie treffend sich ein Instrument mit solch einem Gesicht in die Stimmung des Raumes einfügen würde. Schon wenige Wochen später beschloß der Stiftungsrat unter Vorsitz von Herrn Pfarrer Balles die Bereitstellung der Mittel für einen umgehenden Ankauf des Objektes. Mit Datum vom 9. Juli 1980 konnte ich der Pfarrgemeinde St. Martin in Wehr "Vollzug" melden...

Keilbalganlage, von Hand schöpfbar - die Orgel funktioniert ohne elektrischen StromVereinbarungsgemäß erreichte uns die offizielle Auftragserteilung zum Bau der neuen Chororgel von Wehr im Januar 1988. Im Frühjahr 1990 begannen wir mit den Planungsarbeiten. Nach Abschluß der umfangreichen Innenrenovation der Kirche konnten wir das neue Instrument liefern. Zur fachlichen Beratung wurde der erzbischöfliche Orgelsachverständige Bernhard Marx aus Freiburg bestellt. In Fragen der äußeren Gestaltung stand uns die Fachkompetenz von Oberamtsrat Lothar Schmitt vom Erzbischöflichen Bauamt in Freiburg zur Verfügung. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle für das Vertrauen in unsere Arbeit herzlich gedankt.

Besonderer Dank gilt Herrn Pfarrer Balles für seine verständnisvolle Unterstützung. Möge das neue Orgelwerk im Dienste der Gläubigen zum Lobe des Herrn ein hohes Alter erreichen.

Auszüge aus dem Text von Claudius F. Winterhalter in der Festschrift zur Orgelweihe. Die Festschrift ist derzeit noch im Pfarramt Wehr erhältlich (Kontakt)

Dank 

Hier sei ein ganz besonders herzliches Wort des Dankes gesagt Herrn Alberto Lenz aus Mexiko, der durch zwei sehr große Spenden den Grundstock für diese neue Chororgel schon vor Jahren geschaffen hat. Dabei ist zu erwähnen - und dies freut uns besonders - daß durch die Finanzierung der Orgel die Solidarität unserer Pfarrgemeinde mit den Notleidenden in der Welt nicht geschwächt wurde, erlitten doch die großen Hilfsaktionen wie z. B. Adveniat, Misereor oder die Sternsingeraktion keinen Abbruch, sondern zum Teil sogar noch eine Steigerung.

Unser Dank wäre nicht vollständig, würden wir nicht noch eigens erwähnen unseren großen, leider allzufrüh verstorbenen Orgelfreund, Herrn Werner Kiefer. Ohne seine Initiative wäre diese Chororgel heute sicher nicht in unserer schönen St. Martinskirche. Als Betriebsleiter der Papierfabrik Lenz in Wehr hatte er direkten Kontakt zum Wehrer Zweig der Familie Lenz, welche wiederum die Verbindung zu Alberto Lenz jun. in Mexiko herstellten.


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