Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden)
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Berichte

Berichte von unseren Partnerschaften in Südamerika

Zum Jahreswechsel erreichte uns folgender Brief von Schwester Isabel, der Nachfolgerin von Schwester Verena Rudigier als Leiterin des Heimes Laura Vicuna in Los Vilos, Chile:

Jahresbrief vom Heim Laura Vicuna in Los Vilos, CHILE

Sehr verehrte Sr. Agnes, Birgitta, Geschwister von Sr. Verena und Wohltäter !

Wir grüßen Sie alle sehr herzlich und möchten Ihnen mit diesem Brief erzählen, wie es uns im Jahr 2011 ergangen ist.

Kinder aus dem Heim Laura Vicuna in Los Vilos, Chile Seit Januar hatten wir im Heim durchschnittlich 40 Mädchen, die alle schwer gezeichnet sind, oft von körperlicher und seelischer Mißhandlung, von sexuellem Mißbrauch und von Verwahrlosung. Die Mädchen kommen fast alle aus 4 Orten aus der Umgebung, aus Canela, Illapel, Salamanca und Los Vilos selbst.

Während der Ferienmonate Januar und Februar bleiben die Kinder, die nicht nach Hause gehen können, im Heim. Sr. Isabel und die Betreuerinnen bemühen sich, die Kinder sinnvoll zu beschäftigen.

Es gab Ausflüge zum nahen Meer, zu schönen Plätzen rund um Los Vilos. Im Heim bekamen wir von einem Gönner von Los Vilos ein Plastikplanschbecken geschenkt - zur großen Freude der Mädchen!

Höhepunkt war wohl der Besuch des Parks Fantasialand in Santiago (ca. 300 km ein Weg) mit den Mädchen und allen Mitarbeiterinnen im Heim - große Freude für alle!

Kinder aus dem Heim Laura Vicuna in Los Vilos, ChileIm März beginnt das neue Schuljahr und die Mädchen werden für ihre jeweilige Schule vorbereitet.

Je nach Alter und Begabung besuchen sie einen Kindergarten, eine Grundschule, Hauptschule, Realschule oder Oberschule. Von den Schulen kommen dann lange Listen für Schulmaterial (Hefte, Stifte, Mappen, Schulkleidung...), das wir besorgen müssen.

Seit diesem Jahr steht uns dank einer Spende der Fundación Cristo Rey ein Haus in Coquimbo zur Verfügung (ca. 180 km nördlich von Los Vilos), in dem nun 3 Mädchen vom Heim wohnen und ihr Studium an der Universität in Coquimbo begonnen haben.(Meeresbiologie - Sozialarbeit - Betriebswirtschaft). Sie haben bis jetzt die WG im Haus tadellos geführt, studieren fleißig. Jede bekommt monatlich 120 000 Pesos (ca. 200 €) Beihilfe, aber das reicht nicht aus, da die Studiengebühren sehr hoch sind. In Chile ist das Studium nicht kostenlos, für jedes Semester müssen hohe Gebühren bezahlt werden. Aber eine gute Ausbildung ist die einzige Möglichkeit, die Armut zu überwinden.

Wir haben mit großer Mühe den Studierenden das ganze Jahr durch geholfen, aber es fehlt dann das Geld bei uns. So hoffen wir auf Deutschland und fragen an, vertrauend auf den Herrn, ob sie diese Studierenden in irgend einer Form unterstützen könnten . Im Jahr 2012 könnten 2 weitere Mädchen das Studium beginnen.

Hauswirtschaftsprojekt in Los VilosVon April bis jetzt läuft bei uns ein Projekt für Hauswirtschaft. Ein privates Unternehmen aus der Umgebung, MINERA LOS PALAMBRES, hat unsere Küche so umgebaut, daß Sie als Lehrküche dienen kann. Die Firma gibt 13 Personen (Mädchen und Erwachsenen) Kurse zum Erlernen des Konditorhandwerkes für 8 Monate zu je 8 Stunden Unterricht pro Woche. Am Ende des Kurses erhalten

Die Teilnehmerinnen, die erfolgreich waren, ein Zertifikat, mit dem sie sich bei einer passenden Stelle bewerben können . Die Teilnehmerinnen sind sehr glücklich mit dieser "Ausbildung".

Für das kommende Jahr erwarten wir ein Computerprojekt; die Geräte sind uns für 2012 zugesagt. Die Mädchen könnten dann bei ihren Hausaufgaben damit arbeiten.

Wie sie wissen ist unser Land eines der erdbebenreichsten; die Erde zittert oft, mal mehr, mal weniger. Da wir am Meer leben, hat Los Vilos mehrere Notfallübungen für den Ernstfall angeordnet. Wir nahmen natürlich daran teil. Aber wir hoffen, daß wir von schweren Beben verschont bleiben.

Heute möchten wir Ihnen von der Lebensgeschichte von 3 Heimkindern erzählen:

Schwester Isabel, die Leiterin des Heimes Laura Vicuna mit KindernDa ist PATRICIA , die am 10.1. 2000 mit 6 Jahren zu uns ins Heim kam, weil ihre familiären Verhältnisse extrem schlecht waren. Der Vater leidet an Nierenversagen du muß 3x in der Woche nach Illapel zur Dialyse. Die Mutter leidet an Diabetes und Depressionen und einer Hüfterkrankung; beide können nicht arbeiten und bekommen geringe Sozialhilfe vom Staat..

Trotz dieser schwierigen Vorgeschichte fügte sich Patricia gut ein im Heim, war immer respektvoll mit den Erwachsenen, den andern Kindern. Ihre Schullaufbahn hat sie jetzt mit dem chilenischen Abitur (nach 12 Schuljahren) abgeschlossen, sie war eine der besten in der Klasse. Jetzt im Dezember will sie die Prüfung für die Zulassung zur Universität machen, damit sie studieren kann. Das wäre eine Chance für sie, der Armut zu entkommen.

An diesem Beispiel sehen Sie, daß das Heim sehr bemüht ist, die Mädchen bestmöglich zu fördern, daß sie Chancen bekommen für eine qualifizierte Ausbildung , sei es eine praktische Ausbildung oder ein Studium. So Gott will, wird Patricia auch nach Coquimo zum Studium gehen.

Wir wollen Ihnen noch von einem anderen Mädchen berichten, von YANITZA ROZAS BUSTAMANTE. Sie ist jetzt 14 Jahre alt; sie ist die 4. Von 5 Schwestern; alle 5 haben zeitweise im Heim gelebt. Die Mutter ist drogenabhängig; der Vater hat Yanitza 2010 als Tochter anerkannt, kümmert sich aber nicht um sie. Ihr Stiefvater, bei dem sie die ersten Lebensjahre verbrachte, ist kürzlich verstorben. Yanitza gibt sich viel Mühe, interessiert sich für alles, sie ist eine gute Sportlerin und belegt in der Schule meist gute Plätze, ist sehr kooperativ mit Sr. Isabel und den Betreuerinnen und packt auch mal beim Putzen und Aufräumen mit an. Obwohl sie sich sicher wohl fühlt, ist ihr Verlangen nach der Mutter groß.

Seit ca. 4 Monaten haben wir einen kleinen Jungen von 3 Jahren, MIGUEL ANGEL ERAZO. Er war total unterernährt und verwahrlost, als das Jugendamt uns ihn brachte. Sein Vater befindet sich im Gefängnis in Santiago, die Mutter ist drogenabhängig und kümmerte sich nicht um das Kind. Inzwischen hat Miguel gelernt, alleine zu essen, alleine zur Toilette zu gehen und verständlich zu sprechen. Er geht mit den andern in den Kindergarten, ist glücklich, wenn er spielen kann. Die Zuwendung, die er im Heim erfuhr, hat ihn verwandelt.

Während des ganzen Jahres 2011 setzten sich im Heim die Betreuerinnen und Fachkräfte mit viel Liebe zu den Kindern und persönlichem Engagement für die Kinder ein.

Am 18. September feiert Chile seinen Nationalfeiertag mit Festreden, Umzügen und Tänzen. Sr. Isabel bereitete ein reichhaltiges Mittagessen mit Empanadas und Rostbraten für alle im Heim und für geladene Gäste (die das Heim unterstützen); dazu gehörten die Mitarbeiterinnen im Heim:

Eine "tia" (Haushaltshilfe) besorgt die Wäsche, eine ist zuständig für die Küche, eine weitere für das Putzen; 3 tias sind nur für die Kinder da, dazu kommt eine Buchhalterin, eine Psychologin und die Sozialarbeiterin Senora Alexia; letztere hat wohl zusammen mit Sr. Isabel diesen Brief verfaßt und geschrieben; sie hält auch mit der Kamera alle wichtigen Ereignisse im Heim fest. Natürlich gehört zum Personal auch die Heimleiterin Sr. Isabel.

Alle bilden ein gutes Team und wollen sich auch weiterhin im Heim engagieren. Die tias bemühen sich sehr, alles sauber zu halten und zu erhalten, aber leider halten die Dinge nicht ewig. Zur Zeit haben wir nur eine funktionierende Waschmaschine; das bedeutet, daß die Wäscherin mit dem Waschen nicht nachkommt.

Die Subventionen, die wir monatlich von SENAME erhalten, reichen nur für die Lebensmittel und für einen Zuschuß zu den Löhnen. Daher sind wir auf die Unterstützung aus Deutschland dringend angewiesen.

Die Betten der Kinder werden zusehends altersschwach. Wir bemühen uns, sie nach und nach zu erneuern.

Wir wünschen Ihnen allen frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr, besonders den Freunden in Wehr, den Sternsingern und den Geschwistern von Sr. Verena und ihren Familien. Sie alle schließen wir in unser Gebet ein. Gott, der Herr, möge Ihnen Ihre Hilfe vergelten.

Einen großen abrazo (=Umarmung) aus der Ferne für alla und

Muy felices fiestas de NAVIDAD y ANO NUEVO.

Hna Isabel Marin Zamora
DIRECTORA del Hogar Laura Vicuna

Los Vilos, den 5. 12. 2011


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