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Das Geläut unserer Kirche und dessen bewegte Geschichte
Die Glocken unserer Martinskirche haben wie die Glocken vieler anderer Kirchen eine bewegte Geschichte hinter sich. Es ist eine bittere Tatsache, daß Waffen aus dem gleichen Material gefertigt werden wie Glocken, deren Aufgabe es ist zu Gebet und Frieden zu rufen. So wurden durch die Jahrhunderte hindurch in kriegerischen Zeiten immer wieder Bronzeglocken für Rüstungszwecke eingeschmolzen und gingen so verloren. Sie ereilte damit das gleiche Schicksal wie viele Orgeln - so geschah dies auch mehrfach in Wehr.
Leider erreichte in dieser unseligen Tradition das sich so der Moderne und der Aufklärung verschreibende zwanzigste Jahrhundert einen neuen, unrühmlichen Höhepunkt.
So gingen auch im zweiten Weltkrieg 3 der 5 damaligen Glocken verloren. Schon bald nach Kriegsende befaßte sich die Pfarrgemeinde mit der Wiederherstellung eines der großen Pfarrkirche St. Martin angemessenen Geläuts.
Folgen wir nun dem Text des ehemaligen Wehrer Stadtpfarrers Hermann Marder:
Verschiedene Pfarreien bestellten nun Gußstahlglocken. Auch der Stiftungsrat von Wehr befaßte sich mit dieser Frage. Es wurde sogar ein Vertrag auf Lieferung von Gußstahlglocken mit der Firma Wäule in Bockendem (Harz) abgeschlossen.
Da diese aber bis zur Währungsreform 1948 nicht geliefert waren, machte der Stiftungsrat von dem Recht der Annullierung des Vertrages Gebrauch und bestellte die Glocken ab.
Am 7. 5. 1950 wurden durch den Stiftungsrat grundlegende Beschlüsse gefaßt und am 4.7.1950 erfolgte mit der Firma Grünfinger, Villingen-Neu-Ulm, der Vertragsabschluß über Lieferung von Bronzeglocken mit 78 % Kupfer und 22 % Zinn als Legierung. Wieder war es eine große Teilnehmerzahl aus der Pfarrei, die dem Guß in Neu-Ulm beiwohnte.
Schon am 27.10.1950 trafen die Glocken auf einem Lastwagen von Neu-Ulm in Wehr ein, wurden feierlich am Bahnhof empfangen und zur Kirche geleitet, wo sie im Chor zur Weihe aufgehängt wurden.
Am 29.10.1950 fand die Weihe durch Domkapitular Dr. Schuldis, Freiburg, statt unter Assistenz der beiden Nachbarpfarrer Karl Schnorr von Todtmoos und Augustin Geisers von Öflingen.
Die fünf regelmäßig verwendeten Glocken haben die Disposition: D, F, G, A, C (verminderter Akkord).
Die große Glocke: Gewicht 1700 kg; Durchmesser 1,40 m, Ton D, dem Kirchenpatron St. Martinus geweiht, mit Bild und Inschrift:
"St. Martin unser Schutzpatron,
erflehe uns an Gottes Thron,
daß jeder Bürger dieser Stadt,
zu seinem Bruder Liebe hat."
Die zweite Glocke: Gewicht 1000 kg, Ton F, dem hl. Karl Borromäus geweiht, mit Bild und Inschrift:
"Ora et labora."
Gestiftet von der Mech. Buntweberei Brennet zum Gedenken an die Gründer Carl August Hipp, Anton Denk und Josef Raffael Schenz.
(zu weiteren Stiftungen der Brennet AG siehe auch Flurkreuzweg in Öflingen, Josefskapelle, Krippe, Orgel)
Die dritte Glocke: Gewicht 800 kg, Ton G, Maria der Friedenskönigin geweiht, mit Bild und Inschrift:
"Maria mild, sei Schutz und Schild,
nimm Mensch und Gut, in treue Hut."
Die vierte Glocke: Gewicht 700 kg, Ton A, dem Heiligen Herzen Jesu geweiht, mit Bild und Spruch
"Milder Jesu, Heiland du,
schenke ihnen ewige Ruh."
Den Toten beider Weltkriege gewidmet. Alle Glocken tragen am Rande die Inschrift:
"Gegossen im Heiligen Jahr 1950" -
und das Firmenzeichen der Glockengießerei.
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| Das Gußzeichen der Glocken von 1950 | Die älteste Glocke von 1686, die nur zu besonderen Anlässen geläutet wird | Die Aloysius Glocke - die einzige verbliebene Glocke aus dem Jahr 1926 |
Bei diesen neuen Glocken verblieben dann auch die altehrwürdige Glocke von 1686 und die Aloysius Glocke - kleinste Glocke aus dem Jahre 1926.
Möge das jetzige Geläute mit seiner schönen harmonischen Klangfülle endlich der Pfarrgemeinde St. Martin erhalten bleiben.
Text: Pfarrer Hermann Marder in:
Hermann Marder, St. Martinskirche, Wehr / Baden, Libertas Verlag Hubert Baum, Stuttgart, 1961
Katholische Pfarrei St. Martin Wehr (Baden) - Kirchplatz 1 - 79664 Wehr
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